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Geschichte > Wassernutzung > Die Rheinbrücken


Auf diesem colorierten Stich vom 1825 sieht man noch die alte gedeckte Brücke aber mit einem Pfeiler in der Mitte. (Hinten links)

Die Rheinbrücken

Seit Jahrhunderten führte eine Brücke von „Sontga Margreata“ über den Rhein zur linken Talseite. Wie oben ausgeführt, rissen die Fluten diese Brücke im Jahre 1834 weg. Der Neubau wurde dem Zimmermann Georg Cajöri von Zillis übertragen. Die Kosten beliefen sich auf 3’100 Gulden. Eine Garantieerklärung für die Dauer von 10 Jahren wurde vereinbart. Diese Brücke, wie die früheren, glich eher einem breiten Steg als einer eigentlichen Brücke. Sie war ohne Bedachung und der Witterung schutzlos ausgesetzt. Nach zwanzig Jahren war die Erstellung einer neuen Überquerung wieder fällig und 1855 wurde eine dreiköpfige Brückenkommission eingesetzt. Mitglieder waren Meister Martin Grischott, Curdin Conrad und Landamann Pitschen. Die Überzeugung setzte sich durch, dass ein festeres, breiteres Bauwerk zu errichten sei und auf alle Fälle eine Brücke ohne Pfeiler in der Mitte. Der Standort für die Überquerung wurde etwas nach Süden verlagert. Der vom tüchtigen Brückenbauer Johannes J. Simones von Realta im Jahre 1856 ausgeführte stolze Bau leistet auch heute gute Dienste. Der genannte Meister bekam ein Taggeld von 3.40 Franken. [i]


Auf diesem Stichausschnitt, der ca 1850 erstellt wurde, sieht man die Brücke, wie sie von Zimmermann Georg Cajöri erstellt worden ist.

Der Bau der Holzbrücke im Jahre 1856 ohne Materialkosten kam auf 7’000 Franken zu stehen. Die Verteilung der Kosten wurde so vorgenommen: 1/3 derselben entfielen auf die stimmfähigen Männer und die restlichen 2/3 auf das Vermögen der Haushaltungen.

Das erforderliche Bauholz wurde auf „Plancs“ gefällt und auf der Wiese „Promangisch“ neben der Brücke zurecht gezimmert. Die Brücke überspannt den Rhein ohne Pfeiler in der Mitte und die Widerlager sind so hoch gestellt, dass der Bau auch bei Hochwasser nicht mehr gefährdet wird. Die Länge der Brücke beträgt ohne Vordächer 45 m. Ursprünglich trug die Brücke ein Schindeldach, welches 1863 beidseitig durch Vordächer verlängert wurde. Die jetzige Bedachung aus Blech ist grau angestrichen. [ii]

Vor wenigen Jahren fand eine gründliche Überholung des Bauwerkes statt und die Belastung wurde auf zwei Tonnen beschränkt.

Für die Verfrachtung schwerer Lasten bis zu einem Gewicht von 16 Tonnen steht die vor 20 Jahren erbaute Hängebrücke beim Steinbruch zur Verfügung.

Die Gemeinde ist bestrebt, ihre ehrwürdige Holzbrücke auch kommenden Geschlechtern zu erhalten. Sie gehört zu den wenigen heute noch den Rhein überspannenden Bauwerke dieser Art.



[i] Es steht mit ziemlicher Sicherheit fest, dass Johannes J. Simones sein Handwerk als Brückenbauer bei den berühmten Baumeistern Grubenmann aus dem Appenzellerland erlernte.

[ii] Das Schindeldach musste vor bald hundert Jahren erneuert werden. Beim Hinauftragen eines Bündels Schindeln rutschte Jakob Göthi von Clugin aus und stürzte in den Rhein. Er kam unverletzt davon, weil das Bündel unter ihm zu liegen kam und zudem das Wasser des Rheins die Heftigkeit des Aufpralls milderte.


Holzbrücke über den Rhein, wie sie sich seit 1856 präsentiert. (Zeichnung Pfr. J. Kessler, Chur)