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Die Wassernutzung

Beinahe in jedem Dorfe waren frĂŒher mittels WasserrĂ€der betriebene KornmĂŒhlen, SĂ€gewerke und Walken. Besonders die erst genannten wurden in der beschaulichen Zeit unserer Vorfahren als mechanische Wunder angesehen. Aber auch Gewerbebetriebe anderer Art liessen sich an fliessenden GewĂ€ssern nieder. So war es im Flachland und auch in den Bergen. Die Entwicklung war jedoch meist eine Entgegengesetzte. WĂ€hrend im Unterlande aus bescheidenen AnfĂ€ngen ansehnliche Ortschaften entstanden, verschwanden in unseren TĂ€lern die einstigen Anlagen fast ĂŒberall. SpĂ€rliche Mauerreste, ein im Boden halb versunkener MĂŒhlstein, Spuren eines Bachbettes, oft auch nur mehr der Flurname, weisen auf die einstige TĂ€tigkeit in dieser oder jener Gegend hin.

Mögen wir heute mit einer gewissen Überheblichkeit an die langsamen Arbeitsmethoden denken, ist es doch erstaunlich, was frĂŒhere Geschlechter mit der Wasserkraft vollbrachten. Die VerhĂ€ltnisse in Andeer sind hiefĂŒr besonders aufschlussreich. Lassen wir also die Vergangenheit reden.


Übersichtskarte Mühlen in Andeer. (Zum vergrössern anklicken)

Legende
1. Haus Iselin
2. Mulinan
3. Die Insel "Pluschagn"
4. MĂŒhle bei der HolzbrĂŒcke
5. MĂŒhle Catrina
6. MĂŒhle Philipp Hössli, links vom Bach
7. MĂŒhle Philipp Hössli, rechts vom Bach (Mulegn)
A. Ual da Pignia
B. Rhein
C. Ual da Runcs

Übersichtsplan Wassernutzung in Andeer

Legende
1. Nagelschmiede
2. Schöpfrad
3. Silberschmelze
4. Walke
5. FĂ€rberei Pitschen
6. Walke
7. Bierbrauerei
8. Landhaus Rosales (Igl Furn)

FĂŒr die Kraftgewinnung waren die Andeerer in erster Linie auf den Rhein angewiesen. Über den Nebenarm des Rheins, „Ual da Sutmunts“ genannt, wurde geschrieben und hingewiesen, dass er im Dorfe WasserrĂ€der bewegte. Als der genannte Bach zu fliessen aufhörte, mussten andere Standorte fĂŒr die Aufstellung von Wasserwerken gesucht werden. Der Name „Mulinan“ am Pigniabach weist in diese Richtung. Dort standen zeitweilig MĂŒhle und SĂ€ge. Von lĂ€ngerer Lebensdauer war jedoch die SĂ€ge zu oberst im Dorfe, wo der dortige Platz heute noch „ Se la Resgia“ (auf der SĂ€ge) heisst.

Der Rhein hatte sein Bett noch nicht so nahe an die HĂ€user des Oberdorfes verlegt wie heute. Bis zum eigentlichen Rheinufer breitete sich ein schönes Garten- und WiesengelĂ€nde aus, welches vom Dorfe durch einen kĂŒnstlich angelegten oder vielleicht auch natĂŒrlichen Wasserlauf getrennt war.

Dieser Bach war es, welcher fĂŒr SĂ€ge und MĂŒhle gebraucht wurde. Aus einer Schrift des Jahres 1598 geht hervor, dass der EigentĂŒmer namens Tumasch Luzi gegen die BenĂŒtzung des SĂ€ge- und MĂŒhlebaches durch Dritte Beschwerde einreichte. Er wurde von der Gemeinde abgewiesen, weil die Nachbarschaft stets befugt gewesen sei, dort Wasser zu holen. Der KlĂ€ger sei sogar verpflichtet, einen guten Zugang zum Bache zu unterhalten. [i]



[i] Auf dem abgebildeten alten Stich sind die aufgefĂŒhrten GebĂ€ude erkennbar. SpĂ€gere EigentĂŒmer der SĂ€ge waren Amann Piccoli und 1773 Johann Conrad und Mathias Salis.


Bildausschnitt von einem Stich aus dem Jahre 1925. Deutlich sieht man da die Insel.